Einleitung und Erklärungen zu den Pressemitteilungen

2013-02-14 Hamburger Abendblatt Seite 4 Regionalteil Pinneberg

Der große Traum von Hollywood

von Mirko Schneider

Schule für mittelalterlichen Schwertschaukampf hofft auf große Filmkarriere. 150 Aktive trainieren mit Begeisterung

1997 besuchte Heiko Schulze einen mittelalterlichen Markt in Norderstedt. "Plötzlich erhoben sich die gewandeten Männer und Frauen und kämpften im Zeitlupentempo miteinander. Ich stand in ihrer Mitte. Es war beeindruckend. Ich wusste sofort: Das will ich auch."

Mittlerweile hat Schulze, 42, sich seinen Wunsch erfüllt. Er ist Geschäftsführer und Trainer in seiner Schule für mittelalterlichen Schwertschaukampf (SSK), der fast 150 Aktive in sechs Niederlassungen angehören. Fast die Hälfte davon kommt aus Pinneberg (45) und Elmshorn (20). Die Elmshorner Gruppe zeigte neulich bei der Sportlerehrung in Elmshorn dem Publikum eine beeindruckende Massenschlacht.

Es war ein weiterer Höhepunkt in der Geschichte der SSK, die 2006 begann. Schulze wandte sich mit einem Konzept für Grundkurse im Schwertschaukampf an sechs Volkshochschulen. Zwei positive Antworten erhielt er. Als 2007 in Pinneberg der erste Grundkursus startete, ging ihm nach acht Unterrichtsstunden das Unterrichtsmaterial aus. Das Basiswissen war vermittelt, der Kursus somit zu Ende. Eigentlich. Die Gruppe wollte aber unbedingt weitermachen. So entwickelte Schulze sein Konzept weiter. Ein Grundkursus an einem Wochenende bringt den Einstieg in den Schwertschaukampf, danach folgt wöchentliches Training in einer Gruppe.

"Und das, was wir dort machen, ist mit dem Tanzen am ehesten verwandt", sagt Denise Brandt, 21. Sie ist Trainerin der Elmshorner Gruppe und fand schon als kleines Mädchen die Ritter immer cooler als die Burgfräuleins. Doch sie betont, es gehe keinesfalls darum, das Mittelalter so authentisch wie möglich nachzuspielen. "Wir kämpfen miteinander. Es ist ein Schaukampf. Es geht nicht darum, den anderen zu besiegen." Passt ein Kämpfer mal nicht auf, existiert sogar eine Technik namens Abgleiten vorwärts, mit dem das Schwert vor dem Körper des Partners gestoppt wird. Allerdings seien die Kämpfe auch nicht choreografiert. Die Kombination der gelernten Techniken bleibt den Kämpfern überlassen. Brandts Aufgabe vor einem Auftritt ist es, die richtigen Kämpfer gegeneinander antreten zu lassen. "Ich schaue einfach, wer am besten zueinander passt", sagt Brandt. Verletzungen habe es in all den Jahren so gut wie keine gegeben. Auch die Materialkosten hielten sich beim Einstieg in den Schwerschaukampf in Grenzen. Die circa 2,5 Kilo schweren Schwerter kosten zwar 200 bis 300 Euro, die Schule verleiht jedoch Schwerter aus ihrem Bestand zu Trainingszwecken.

Wer mitmacht, taucht plötzlich ein in eine ganz eigene Welt. Ein Beispiel sind die Auftritte auf Mittelaltermärkten. Oft reist die Schule mit mehr als 100 Personen an und darf im Gegenzug für einen Auftritt ihr Heereslager aufschlagen. "Dort kann man dann in der Gemeinschaft so richtig schön Urlaub von sich selbst machen", sagt Tina Krüger, 34, Mitglied der Elmshorner Gruppe. "Man taucht ab in eine andere Welt, powert sich im Kampf voll aus."

Manchmal sogar richtig weit weg von daheim. Die schönste Reise unternahm die SSK 2010 nach Hermannstadt in Rumänien. Mehr als 600 Zuschauer verfolgten die Kampfauftritte der Gruppe, ließen sich Autogramme geben.

Auch die Persönlichkeitsentwicklung, erklärt Brandt, wird befördert. Als Beispiel nennt sie Tjorven Bahns, die samt Familie erst seit einem Jahr dabei ist. "Sie ist als Kämpferin schon fast unschlagbar und hat die Feuerschwerter auch schon für sich entdeckt", sagt Brandt. Oft kämen Neueinsteiger etwas schüchtern zum Grundkursus und entwickelten dann eine unheimlich hohe Motivation, viel Spaß an der Sache und ein enormes Selbstbewusstsein.

Dieses Selbstbewusstsein besitzt auch Heiko Schulze. Der Mann hat hohe Ziele, genauer gesagt ein Traumziel: Hollywood. "Die Kämpfe in Ritterfilmen", erläutert seine Trainerin Denise Brandt, "zeigen oft Bewegungen, die gar nicht durchführbar sind. Man merkt, wie gestellt das ist."

Schulze stört das. Er ist überzeugt, dass seine Kämpfer die Schlachten in Filmen wesentlich realistischer darstellen können. Deshalb schreibt er an Casting-Gesellschaften, Produzenten und TV-Sender. "Es tut mir in der Seele weh, dass Filme wie "Die Säulen der Erde" oder "Die Wanderhure" so komplett an uns vorbeigegangen sind."

Die Mitglieder seiner Schule schätzt er als so motiviert ein, dass er sie, wie er mit einem Schmunzeln sagt, "in kürzester Zeit für einen Film in einen Jumbo setzen und zu den Waffen rufen könnte". Sogar nach Seattle hat Schulze bereits Kontakt aufgenommen. Dort gebe es gewandete Ritter, die elegant durch die Straßen zögen, von Schwertern aber nicht viel verstünden. "Vielleicht gelingt uns über diesen Kontakt eine Filmkarriere", sagt Schulze. Es wäre nicht das erste Mal, dass ihm eine gute Idee gelingt.

Große Hallenprobleme

Die Stadt Pinneberg kündigte der SSK zum 31. Dezember 2012 ihre Trainingszeiten (dienstags von 20 bis 22 Uhr) in der Rübekamphalle. „Laut Statuten werden Vereine bevorzugt. Damit fallen wir als Schule hinten runter", sagt Doreen Halfkath, 41. Sie unterstützt ihren Verlobten Heiko Schulze bei organisatorischen Aufgaben. Die Halle stehe nun leider leer. „Ich war mehrmals am Dienstagabend da, konnte in die verwaiste Halle gehen. Das tat weh."

Zurzeit bemüht sich die Schule mit Hilfe des Kreissportverbandes Pinneberg um eine Lösung mit der Stadt. Trainiert wird übergangsweise zur gleichen Zeit in Jolos Funworld in Quickborn, Harksheider Weg 226, auf einem Indoor-Spielplatz. „Wir sind dem Eigentümer dort sehr dankbar. Ohne seinen Einsatz würde die Pinneberger Gruppe auf der Straße stehen. Aber wir möchten gerne zurück", sagt Halfkath. Wer der SSK helfen oder Mitglied werden möchte, kann sich an Geschäftsführer Heiko Schulze wenden. Telefon: 0176/48 20 45 07 (zwischen 18 und 21 Uhr). (misch)
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